WS1.1

Ernährungssouveränität im Gegensatz zu industrieller Produktion

(Referent Dr. Rupert Ebner)

Samstag, 16. März 2019 11:00h-13:00h (Gewerkschaftshaus, Sophie Scholl-Saal)


In den letzten 30 Jahren sind die Beziehungen zwischen Lebensmittelerzeugern/-verarbeitern und Verbrauchern insbes. in den Städten stark zurückgegangen. Gleichzeitig erfolgte eine enorme Erweiterung internationaler Handelswege/Bezugsmöglichkeiten, verbunden mit massivem Rückgang der Transportkosten. Die Folge: Dramatischer Rückgang handwerklicher Lebensmittelverarbeitung. Industrielle Strukturen beherrschen heute die Lebensmittelerzeugung und -verarbeitung in weiten Teilen der Welt. Die in jüngster Zeit verhandelten Freihandelsabkommen begünstigen die industrielle Lebensmittelherstellung und -vermarktung. Verbunden mit dieser Entwicklung ist der Einsatz zahlreicher Zusatzstoffe, die bis in die frühen 50er Jahre des letzten Jahrhunderts niemand kannte, geschweige denn als Lebensmittel betrachtet hätte. Durch die Masse an Informationen auf verpackten Lebensmitteln gelingt es den meisten Verbrauchern gar nicht mehr zu unterscheiden, ob ihr Essen von dort kommt, wo es vermutet wird. Der Vortrag soll Möglichkeiten aufzeigen, wie man seine Souveränität über sein Essen wieder zurückgewinnen kann.

Dr. Rupert Ebner, Studium d. Tiermedizin in Hannover und München, 30 Jahre prakt. Tierarzt in Großtierpraxis. Bis 2008 u.a. Vorsitzender d. prakt. Tierärzte Bayern u. Vizepräsident der Bay. Landestierärztekammer. Seit über 20 Jahren Slowfood (SF)-Mitglied. Conviviumsleiter von SF München, ab 2010 im SF-Bundesvorstand. Schatzmeister SF Deutschland. Mitglied im internationalen Beirat. Thematischer Schwerpunkt: Nutztierhaltung. Renommierter Kritiker industrieller Tierhaltungssysteme. Berufsmäßiger Stadtrat in Ingolstadt (2014): Referatsleiter Gesundheit, Klimaschutz, Umwelt; u. a. verantwortlich für Veterinär- u. Lebensmittelüberwachung. Dr. Ebner betreut eine Herde Murnau-Werdenfelser Rinder, der letzten autochthonen Rinderrasse Bayerns.


WS1.1

Ernährungssouveränität im Gegensatz zu industrieller Produktion

(Referent Josef Schmid, AbL)

Samstag, 16. März 2019 11:00h-13:00h (Gewerkschaftshaus, Sophie Scholl-Saal)


Bäuerliche Landwirtschaft beruht auf dem Prinzip, die vorhandenen Faktoren nachhaltig zu nutzen und geschlossene Betriebskreisläufe zu gestalten. Die fortschreitende Öffnung dieser Kreisläufe, Zukauf von Mineraldünger, Futtermitteln und Jungtieren führt früher oder später zwangsläufig zu einer Agrarindustrie. Dünger, Futter und "Tiermaterial" werden per Ausschreibung weltweit zugekauft, wie bei einer Fabrik. Die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) betrachtet kritisch die dadurch entstehenden Abhängigkeiten und die negativen Auswirkungen auf die Landwirte in den Herkunftsländern der Importfuttermittel.

Genauso auch die Zerstörung von Märkten der Berufskollegen in den Empfängerländern unserer Billigexporte. Internationalen Handel halten wir nur insoweit für vertretbar, als dadurch wirkliche Versorgungslücken zu fairen Preisen geschlossen werden. Das war bei bisherigen Freihandelsabkommen nicht der Fall.

Josef Schmid hat an der FH Weihenstephan Landwirtschaft studiert und, nach einigen Jahren Praxis auf dem elterlichen Bauernhof, 1985 einen Hof im Landkreis Landshut übernommen. Dieser wurde nach wenigen Jahren bereits 1990 auf ökologische Landwirtschaft umgestellt. Der Betrieb umfasst 60 Hektar Äcker und Wiesen, 25 Milchkühe und 150 Mastschweine. Zum Jahreswechsel wurde der Bauernhof in die Hände der nächsten Generation übergeben.